PCB - Polychlorierte Biphenyle


PCB, Ballschmiter-Kongenere

Ballschmiter-Kongenere der PCBs

Die polychlorierten Biphenyle sind eine Gruppe von 209 Organochlorverbindungen mit gleicher Grundstruktur (Kongenere) und einem Chlorgehalt von 30-60 %. PCBs sind als Baumaterial nützlich und vielseitig anwendbar. Aufgrund dessen und dass sie biologisch sehr schlecht abbaubar sind (Halbwertszeit von 10-100 Jahren) sind sie mittlerweile global verbreitet. Die gesundheitliche Gefahr wurde erst später erkannt, woraufhin sie als Teil des "dreckigen Dutzend" gezählt werden.


Gesundheitsrisiko

PCBs weisen keine akute Toxizität auf, allerdings bergen sie bei dauerhafter Belastung ein erhöhtes gesundheitliches Risiko. Sie können von Körper über die Nahrung oder die Atemluft aufgenommen werden, weniger über Hautkontakt. Sie die Stoffe einmal im Körper, werden sie dort verstoffwechselt und im Fettgewebe gespeichert. Wie oben bereits erwähnt sie PCBs biologisch nur sehr schlecht abbaubar, Therapien zur Entgiftung bzw. Heilung sind kaum bekannt. Aufgrund der fettlöslichen Eigenschaften ist besonders zu beachten, dass eine PCB-Belastung von der Mutter über die Muttermilch an das Kind weitergegeben werden kann.

 

 

Folgende Symptome werden damit in Verbindung gebracht:

  • es wirkt neuro-/immun-/reproduktionstoxisch
  • Schwächegefühl
  • Krebs
  • Probleme der Schilddrüse
  • Veränderungen der Leber/der Haut
  • Diabetes
  • Immunschwäche
  • Veränderung der Blutparameter
  • für die vielen möglichen chronischen Langzeitfolgen besteht noch Forschungsbedarf

 

 

 

 

 

 

 

Vorkommen und Quellen

In den 1960/70er Jahren waren PCB in Baustoffen im Innenraum benutzt, seit 1982 sogar großtechnisch produziert worden. Für eine erhöhte Belastung in Gebäuden sind PCBs hauptsächlich in Anstrichen, Klebstoffen, Leuchtenkondensatoren (den 90ern flächendeckend aus öffentlichen Gebäuden entfernt), Fugendichtungsmassen und Kunststoffen verantwortlich. Am stärksten betroffen sind Plattenbauten der 1955-1978 Jahre, wie Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäude. Aber auch private Ein-/Mehrfamilienhäuser aus dieser Zeit sind nicht auszuschließen.

Seit 1989 ist die Produktion und das Inverkerhbringen von PCBs weitestgehend verboten. Trotzdem befinden sie immer noch geschätzte 10 000 Tonnen im Baubestand.

Weitere ernst zunehmende Quellen einer PCB-Belastung ist die Kontamiantion unserer Lebensmittel. Da sich PCBs mittlerweile in unser Grundwasser ausgebreitet haben, finden wir sie auch Pflanzen. Über die Nahrungskette landen PCBs im Fleisch und anderen tierischen Produkten wie Eier oder Milchprodukten. Eine prozentuale Verteilung der PCB-Belastung in Nahrungsmitteln ist in folgendem Tortendiagramm dargestellt: 

PCB in Nahrungsmittel

https://www.swissveg.ch/giftstoffe vom 21.03.19


Feststellung einer PCB-Belastung im Innenraum

Zum Einen kann direkt verdächtiges Material entnommen und in ein Analysenlabor eingeschickt werden. Dies dient vornehmlich zum Auffinden von PCB-Quellen. Eine generelle Belastung ist durch eine Analyse des Hausstaubs möglich. Luftanalysen zur Bestimmung der PCB-Belastung in der Atemluft ist bei öffentlichen Einrichtungen oder Arbeitsplätzen unerlässlich, da die Richtwerte Luftkonzentrationen betreffen. Hierbei ist die Raumlufttemperatur mit zu beachten!

Richtwerte

 

  • <300ng/m3 tolerabel
  • 300-3000 ng/m3 Quelle soll gesucht und verhältnismäßig beseitigt werden
  • > 3000 ng/m3 sofort Kontrollmessung, wenn bestätigt dann unverzüglich Maßnahmen zur Reduktion der PCB-Belastung

Sanierung

Am effektivsten ist natürlich die PCB-Quelle komplett zu entfernen. Ist dies nicht möglich, ist auch Absperren möglich. Für eine fachgerechte Sanierung ist auf ausreichend Qualifizierung zu achten und dass die Sanierung mit dem nötigen Ernst durchgeführt wird. Es besteht die Gefahr das PCB-Problem durch übersehene Sekundärkontaminationen auf Textilien oder Mobiliar.

Fazit

  • die gesundheitliche Gefahr von PCB ist bei Dauerexposition hoch, auch nach 30 Jahren noch
  • Beeinträchtigung der frühkindlichen Immunabwehr bei PCB-Belastung während Schwangerschaft, Weitergabe an Säugling über Muttermilch
  • Tumore bei Personen mit beruflicher Exposition und auch der Normalbevölkerung nachgewiesen, nicht aber bei Personen mit Belastung im Innenraum
  • Trotzdem: Aus gesundheitlich vorsorglichen Gründen sollte vor Bezug einer Bestandsimmobilie eine mögliche PCB-Belastung untersucht werden
  • PCB in Baumaterial seit 1989 verboten
  • Weitere Belastung in Nahrungsmitteln aufgrund hoher Halbwertzeiten

 

Quellen

  • https://www.imdberlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/umweltschadstoffe.18.12.2018
  • PCB-Gift im Haus (1955-1978) - Messung und Sanierung
  • Vortrag Prof. Dr. med Eikmann: PCB Wirkungen auf den Menschen